Seelensorger der Pfarrei (PDF) öffnen

Zur Kirchengeschichte Von Sankt Jakobus

Seit Einführung des Christentums in unserem Raum, die Geschichtsschreiber nennen die Zeit um 750 nach Christus, war Zimmern nach Gößlingen eingepfarrt. Die Siedlung bestand aus nur wenigen Häusern, es sollen um das Jahr 1200 fünf bis zehn, um 1600 etwa derer 20 gewesen sein. Über Jahrhunderte haben die Zimmerner ihre Kinder nach Gößlingen zur Taufe gebracht und auch ihre Toten in Gößlingen beerdigt. Als Kirchort kam Gößlingen im Mittelalter eine größere Bedeutung zu. Nebst Zimmern waren auch die Orte Täbingen, Böhringen, Rotenzimmern und Kleinenzimmern Filialen der Gößlinger Mutterkirche, die 1346 dem Kloster Alpirsbach inkorporiert war. Die alte Zimmerner Kirche, dem hl. Jakobus und der hl. Agathe geweiht, wird erstmals 1432 erwähnt, sie muß aber schon 1424 vorhanden gewesen sein. Damals schlossen die o. e. Filialorte mit dem Gößlinger Pfarrer einen Vertrag ab, nach dem der Helfer des Leutpriesters die Außenorte versorgen sollte und wofür dieser aus jedem Haus zwei Viertel Vesen und ein Viertel Hafer erhielt. Für diesen Helfer hatte der Leutpriester stets ein Pferd bereitzuhalten. Außerdem mußten die Gößlinger eine Wiese beim Brunnen zur Verfügung stellen, worin das Roß im Sommer stehen sollte. Alpirsbach bezog Ein-künfte aus dem hiesigen Widumhof sowie dem Zehnten, die ursprünglich dem Pfarrer von Gößlingen zugestanden hätten.

Gräfin Maria, Johanna von Waldburg-Zeil-Trauchburg. geborene Reichsgräfin von Hornstein-Weiterding, war eine große Wohltäterin der Gemeinde Zimmern. Die oben erwähnte adelige Frau aus dem Fürstenhause der letzten Besitzer des Dorfes, machte für die Gemeinde in den Jahren 1818-1835, bevor Zimmern eigene Pfarrei wurde. für Kirche, Schule, die Armen und Kranken sowie für die gesamte Einwohnerschaft mehrere Stiftungen und hat damit viel Not und Elend gelinden.

Die bereits 1790 gemachte Stiftung ermöglichte es, daß ein Pfarrvikar von der Herrschaft und der Ge-meinde gemeinsam unterhalten wer-den konnte. Im Jahr 1818 stiftete sie 1.000 Gulden zur «besseren Susten-tation» eines Priesters in Zimmern. Eine weitere Stiftung der Gräfin war zu Unterstützung der Armen gedacht, die gestifteten 1.500 Gulden sollten für Nahrung und Kleidung verwendet werden. In den Jahren 1826-1828 gingen jährlich 700 Gulden an die Stiftung zur Bezahlung des Schulgeldes für die Zimmerner Kinder. 1830 waren es wieder 1.500 Gulden aus dem gutsherrschaftlichen Vermögen die für die Unterstützung der armen Kranken und zur Verbesserung der Besoldung des Lehrers verwendet werden sollten. Die Zuwendungen kamen über die Stiftspflege in Balgheim zur Ver-teilung, welche das Vermögen des Fürstenhauses in der Raumschaft verwaltete. An der alten Zimmemer Pfarrkirche war die Jahreszahl 1791 angeschrieben. In diesem Jahr wurde erst der Turm erbaut, sowie ein Anbau an die Kirche gemacht, mit 12 Schuh lang und 25 Schuh breit. Die Kosten beliefen sich auf 462 Gulden. Die Einwohner haben durch Baumaterialien und Fronen viel Eigenleistungen erbracht. Um diese Zeit hat auch die Kirche das Begräbnisrecht erhalten. Der Friedhof war um die Kirche angelegt. 1835 wurde der Friedhof an den jetzigen Ort verlegt.

Aus der Gößlinger Kirchengeschichte

Die seelsorgerische Betreuung, sowohl in der Mutterkirche als auch in den Filial-gemeinden, war nicht immer optimal. In der Gößlinger Kirchengeschichte wird immer wieder von Zank, Streit und Klagen, mit und bei allen möglichen Instanzen berichtet. Oft drehte es sich um den Zehnten, um Vergütungen und Abgaben, was meist in Form von liegenden Gütern und Feldfrüchten geleistet werden mußte.

Offenbar waren viele der damaligen Pfarrherrn auch nicht gerade «hochstudiert» und oft auch keine frommen Ehrenmänner. In vielen Fällen waren sie gar nicht ordentlich investiert. Bei einer Investition mußte ein Pfarrer dem Bischof Annalen zahlen. Es wurde um das Jahr 1495 ein Pfarrer Johann Calceatoris, Schuhmacher, genannt. Der Rottweiler Dekan habe bei einer Visitation 1547 über Johann Tierberger, der auch nicht ordentlich investiert war, notiert, er lebe mit einer Konkubine zusammen und habe mit ihr mehrere Kinder. Bei der Visitation 1581 war es Balthasar Obersten vom Kloster Beuron, ebenfalls nicht investierter Pfarrer, der mit seiner Konkubine zwei Kinder hatte. 1623 wurde bei einer Visitation festgestellt, daß Matheus Allgewer schon 27 Jahre im Ort sei. Die Visitatoren veranlaßten seine Entlassung weil er bei der Examination «schier nicht teutsch, zu schweigen lateinisch konnte und uff geringste Fragestücke kein Wort Antwort hab geben können». Auch er lebte mit einer Konkubine und hatte mehrere Kinder.

1624 nominierte der Herzog Pfarrer Bürcklin. Mit ihm waren die Gläubigen schlecht bedient. 1629 schickten die Gößlinger eine umfangreiche Beschwerdeschrift an den Herzog worin sie um seine Entlassung baten. Gründe: «Der Pfarrer halte mehr Vieh als das er Futter habe und lasse deshalb unerlaubterweise sein Vieh weiden, auch zahle er keinen Hirtenlohn. Er habe mehrere neue Feiertag eingeführt und zwar den Ascher-mittwoch, die drei Tag in der Kreuzwoche und den Tag Mariä Opferung. Er traktiere die Bettler und Landfahrer mit Schlägen und Scheltworten. Den Bauern, die ihm ackern und Holz führen gebe er keinen Lohn. Er nehme allerhand Gesindel in den Pfarrhof, «Zügeiner und Haiden». Er habe bei einer Auseinandersetzung den Hühner-vogt Hans Schlegel derart maltretiert, daß er den Arzt in Rottweil aufsuchen mußte.» Daraufhin wurde Bürcklin als Pfarrer abgesetzt. Er mußte Hans Schlegel die Arzt-kosten und ein Schmerzensgeld bezahlen.

Mit den Gößlinger Pfarrern war im Laufe der Jahrhunderte nicht immer ein ungetrübtes Verhältnis. so daß die Zimmerner sich sehnlichst eine eigene Pfarrei wünschten. Nach dem Kauf des Rittergutes durch die Gemeinde (1833) war dieselbe dann in der Lage, die Pfarrbesoldung aufzubringen.

Das Verhältnis mit dem damaligen Gößlinger Pfarrer Stehle wurde immer kritischer, zumal derselbe immer mehr Forderungen an die Gemeinde stellte. Er ging sogar mit der Gemeinde vor das Königliche Amtsgericht in Rottweil und beanspruchte den Kleinzehnten für die Jahre 1833/34/35. 100 Gulden pro Jahr. Der Pfarrer aber verliert, er bekommt den Kleinzehnten nicht. Stehle streitet mit den Zimmerern wegen der Begräbniskosten. Er will von «einer Leich» einen Gulden und 15 Kreuzer Stolgebühren, sonst komme er nicht mehr zu einem Begräbnis. Die Gemeinde bietet Stehle 36 Kreuzer an. Die Diözesanverwaltung Rottenburg schaltet sich ein und es kommt ein Kompromiß zustande: 48 Kreuzer für den Pfarrer bei einem Begräbnis. die hinterbliebenen Angehörigen müssen aber selbst bezahlen, oder die Armenpflege.

Pfarrer Stehle will seine «Heiligen Wiesen» im Wasser heuen und weiß nicht wo er mit dem Heu hinausfahren soll Er verlangt von der Gemeinde Zimmern ihm einen Weg zu machen. Die Zimmerner lehnen ab und verweisen darauf, sie seinen nicht verpflichtet zumal es herkömmlich sei, daß man mit dem Heu über den Bach fahre.

Der Gemeinderat und Bürgerausschuß prüfen nun, ob die Voraussetzungen für den Un-terhalt eines Pfarrers gegeben sind. Für das Pfarrgehalt wurden von der Gemeinde an liegenden Gütern bereitgestellt: Das Schlößle als Pfarrhaus: der Gras- und Baumgarten hinter dem Schloß. 25 ar. Küchengarten hinter dem Schloß. 6 Gulden Wen (jährlich): Wiese im Seher. Ertrag 10 Gulden im Jahr. 2 1/2 Morgen im Grund. 20 Gulden: Groß-zehnt von 30 Morgen Feld. 44 Gulden: von 18 Morgen. 21 Gulden; den Kleinzehnten. Anschlag 30 Gulden: Schutzzehnt 10 Gulden: bares Geld aus der Gemeindekasse im Jahr 100 Gulden; Zins vom Zeilschen Stiftungskapital 120 Gulden. Obstzehnt 1 Gul-den: Frucht: acht Scheffel Dinkel; vier Scheffel Hafer; zwei Fuder Stroh: 12 Klafter tannenes Holz; Abholz hiervon: Zeil'sche Jahrtage 20 Gulden; gestiftete Jahnage von der Stiftungspflege 3 Gulden. Außerdem zahlt die Gemeinde einen jährlichen Beitrag bis andere Hilfsquellen zur Aufbesserung vermittelt werden. Der Pfarrer soll eine Allmand von drei Morgen und 69 Ruthen an einem Stück erhalten. Zu den Liegen-schaften kamen noch die Grundstücke auf Dornen hinzu. ca. vier Morgen.

Das Verhältnis zwischen dem Gößlinger Pfarrer und den Zimmerner Christen ver-schlechterte sich mehr und mehr. Pfarrer Deibele aus Dautinergen will mit der Ge-meinde Zimmern einen Vertrag abschließen wegen der seelsorgerischen Betreuung der Zimmerner Gemeinde. Deibele würde den sonntäglichen Gottesdienst versehen, wem ihm die Erlaubnis erteilt wird. Pfarrer Stehle von Gößlingen soll gehört werden, erwartungsgemäß willigt Stehle nicht ein, obwohl er sehr krank ist. Da beordert der Gemeinderat Josef Schwarz nach Rottenburg um die Einwilligung des Bischofs zu erbitten. Die Vorstellung wurde vom Bischöflichen Ordinariat positiv beschieden, um 9. Januar 1836 wurde mit Pfarrer Deibele der Vertrag perfekt gemacht. Deibele fordert für die Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen. sowie jede Woche zweimal an Werk-tagen für Meßlesen und Schulbesuche 3 Gulden die Woche. Nur hei schlechtem Wetter soll dem Pfarrer ein Fuhrwerk geschickt werden, ansonsten kommt er zu Fuß. ohne Weggeld zu erheben. Pfarrer Deihele erhält von der Gemeinde für die seelsorgerische Betreuung von Weihnachten 1836 bis zum 23. Sonntag nach Pfingsten 1837, 132 Gul-den. Wie wurde dieses Geld aufgebracht? Man hat den Pachtschilling vom Lustgarten (Pfarrgarten) und die Pfarrallmand dazu bestimmt; ferner die gestifteten Messen von der Heiligenpfleg. Der Rest wurde auf die Kommunikanten umgelegt. (Als Kommuni-kanten gelten alle Christen, welche die Kommunion empfangen.) Wieder kommt der Gößlinger Pfarrer Stehle und reklamiert 150 Gulden für den Kleinzehnten der Jahre 1833-1835. Doch Pfarrer Stehle kriegt keinen Kleinzehnten mehr, weil er für die Zimmerner «nix mehr duat».

Der Dormettinger Pfarrer (Name ist nicht angegeben) bietet der Gemeinde an, daß er für sie den ganzen Schriftwechsel mit der Diözesanverwaltung in Rottenburg wegen Errichtung einer eigenen Pfarrei führen werde, wenn ihm die Gemeinde Zimmern die große Tanne im Pfaffenwald zu kaufen gebe. Die Gemeinde sagt zu. Sie will für die Tanne 50 Gulden. der Dormettinger Pfarrer zahlt 36 Gulden und verpflichtet sich, wenn mehrere Schriftwechsel notwendig sind, dieselben für die Gemeinde kostenlos zu tätigen. Die Diözesanverwaltung gibt für die Errichtung einer eigenen Pfarrei die Zustimmung.

Am 20. November 1840 wird Zimmern Eigene Pfarrei

Da das Schlößle laut Vertrag der Diözesanverwaltung als Pfarrhaus übereignet werden mußte, mußte die Schule die seit 1834 in dem Gebäude integriert war, ausziehen. 1842 wird das Pfarrhaus umgebaut. Die Kirchenverwaltung drängt auf einen Umbau des Pfarrhauses. Es soll so gerichtet werden. daß es wieder einem Schlößle gleichsieht. Die Doppelscheuer und die beiden Ställe werden abgerissen und nur noch ein Stall und die Holzlege erneuert. Das Haus, das in der vorhergegangenen Zeit über dem Wohnteil mit einer stumpfen Walm über dem Ökonomieteil mit einem Satteldach mit Staffelgiebel überdacht war, erhielt nun über das ganze Haus ein Walmdach. Das Bauholz vom Abbruch mußte wieder verwendet werden. Zur Zahlung der Baukosten hat die Gemeinde im Pfaffenwald 12 Tannen gehauen und verkauft. Zum Richtfest am Pfarrhaus gab die Gemeinde für die Handwerker und Fröner acht Gulden aus. Die Zimmerleute Geiser und Sebastian Schwarz sind hei dem Akkord nicht rausgekommen, sie bitten uni eine Ausgleichszahlung.

Als erster Seelsorger zog der Pfarrverweser Küchle in das Pfarrhaus ein. Er wurde mit einem Gulden täglich besoldet. Der Pfarrverweser moniert auch gleich, daß der Ofen in der Stube auseinandergefallen sei. Die Gemeinde hat aber kein Geld für einen neuen. somit wird der alte nochmals zusammengeflickt. Küchle kriegt ein halbes Klafter 11017 zu kaufen für 5.24 Gulden. Ferner einige Scheffel Dinkel tunt Tagespreis. Der Pfarrer verlangt für die Fruchtschütte im Pfarrhaus 10 Gulden und verfügt, daß fürderhin keine Frucht mehr aufgeschüttet werden darf.

Am 14. April 1841 wurde als erster ständiger Pfarrer Sebastian Renunler investiert. Pfarrer Renunler will auch gleich den Kleinzehnten von den Gütern. die früher zur Pfarrei Schönberg gehörten. Das Königliche Oberamt muß entscheiden. Der Pfarrer beschwert sich, daß er am Pfarrgarten zuwenig Maß habe, es wird ihm etwas zugemessen.

Eine weitere Beschwerde von Pfarrer Reinnder erfolgt wegen unrechtsmüßiger Ab-nahme von 10 Garben Dinkel und 10 Garben Hafer auf Dornen, weil das Feld zehntfrei sei. Der Pfarrer fordert die Garben zurück und bemerkt: «Wenn der Fall umgekehrt wäre. so hätte die Gemeinde die Garben schon mit Spieß und Stangen bei ihm geholt.» Er fordert innerhalb acht Tagen die Garben zurück. Gemeinderat und Bürgerausschuß sind empört über die Bemerkung. man hätte mit Spieß und Stangen heim Pfarramt etwas holen wollen. Ganz im Gegenteil würde aber das Pfarramt auf die bemerkte Art reagieren. Der Zehnte wird nicht zurückgegeben. PS: Es drehte sich um eine Wiese auf Dornen die umgebrochen und mit Dinkel und Hafer angebaut wurde. Der Pfarrer beschwert sich beim Königlichen Amtsgericht und das Gericht gibt ihm recht. Die Gemeinde ist aber nicht willens die Garben zurückzugeben und will auch in Zukunft den Zehnten nehmen. Der Gemeinderat nimmt Bezug auf die Herrschaft von Stuben und die fürstliche Herrschaft von Trauchburg-Zeil. die von allen Umbrüchen auf der ganzen Markung Zimmern ohne Ausnahme den Zehnten bezogen haben.

Erstmalige Wahl eines Kirehengemeinderates und einet Kirchenpflegers:

Am 7. Juli 1889 wurde auf dem Rathaus Zimmern u.d.Burg zum ersten mal die Wahl für den neu zu bildenden Kirchenstiftungsrat vorgenommen. Von 83 Stimmbe-rechtigten haben 48 abgestimmt. Es wurden gewählt: Konrad Ruof, 20 Stimmen; Johann Schwarz, Wagner. 15 Stimmen: Zyriak Schwarz, 14 Stimmen: Heinrich Eggert. 12 Stimmen. Die Wahlzeit dauert insgesamt sechs Jahre, nach drei Jahren scheidet die Hälfte der Mitglieder aus. Die Austretenden werden das erste mal durch das Los bestimmt.

Als vorläufiger Rechner blieb der seitherige Stiftungspfleger Philipp Willi im Amt. Der Kirchenpfleger wurde dann vom Kirchenstiftungsrat bestimmt Es wurde auf die Dauer von sechs Jahren Eugen Eggert gewählt. Er erhielt eine jährliche Vergütung von 30 Mark. Der Kirchenpfleger hatte 86 Mark Kaution zu stellen und zwar in liegenden Gütern mit zweifachein Wert. Eugen Eggen wurde 1910, nach 18jähriger Tätigkeit als Kirchenpfleger von Leopold Eggen abgelöst. Die Kaution erhöhte sich von 86 auf 100 Mark. Leopold Eggen bekleidete das Amt bis 1923, dann trat an seine Stelle August Higlister. Derselbe amtierte bis 1953, also 30 Jahre. 1953 übernahm dann sein Neffe Andreas die Kirchenpflege. Er beendete seine Tätigkeit zum 31. März 1993 und konnte somit auf eine 40jährige Dienstzeit zurückblicken. Seit diesem Zeitpunkt versieht seine Tochter Adelheid Hammann die Kassengeschäfte der Kirche.

Der Kirchenbau

Da die alte Kirche zu klein und überdies haufällig war, trug sich die Kirchengemeinde mit dem Gedanken eine neue Kirche zu hauen. Der Gedanke sollte nun endlich in die Tat umgesetzt werden. Den ersten Baustein zu einem Kirchenneubau stiftete der Königliche Kirchenrat in Stuttgart bereits 1847 in Höhe von 1.000 Gulden. Das Geld wurde damals auf der Bank angelegt. Der Pfarrer Johann Weingart (1871 bis 1882 in Zimmern amtierend) ergriff die Initiative und schuf die Grundlage zum Kirchenneubau. Am 26. November 1874 wurde vom Katholischen Kirchenrat, mit Zustimmung des Bischofs und der Königlichen Kreisregierung, die Erlaubnis zu einer Sammlung innerhalb des Königreichs Württemberg zum Zwecke der Erbauung einer neuen Kirche, erteilt. Pfarrer Weingart übernahm diese Arbeit und begann damit tun 8. Dezember 1874. Er beendete dieselbe am 5. November 1875. Pfarrer Weingart sammelte in dieser Zeit in den Oberämtern Rottweil, Balingen, Spaichingen und Riedlingen 4.241 Gulden und 6 Kreuzer. Das waren umgerechnet 7.270 Mark. (In diesem Jahr war gerade die Währungsreform. wo Gulden und Kreuzer auf Mark und Pfennig umgestellt wurde.) Der Kirchenfonds hat sich von 1875 bis 1878 durch Kollekten und Zinsen um 7.000 Mark vermehrt.

1882 verließ Pfarrer Weingart Zimmern. Der eifrige Seelsorger der sich für den ge-planten Kirchenneubau dermaßen verdient gemacht hat, wurde von der Gemeinde schlecht behandelt. Eines morgens verließ er Zimmern und redete sich von der Kanzel herab noch den ganzen Frust von der Seele. der ihm von seinen Widersachern bereitet wurde. Für diese schmähliche Behandlung des eifrigen Priesters hatte Gott die Gemeinde durch den nachfolgenden Pfarrer Theodor Schwarz empfindlich gestraft. Derselbe wurde 1883 ordiniert und fünf Jahre später kirchenregimentlich abgesetzt.

Als 1888 Pfarrverweser Bihlmeyer nach Zimmern kam und dann 1889 die Stelle als ständiger Pfarrer übernahm, wurde der Kirchenbau mit Vehemenz in Angriff genommen. Der junge Pfarrer setzte mit Elan alles in Bewegung um sein erklärtes Ziel zu verwirklichen.

Die angesparte Summe zum Kirchenneubau betrug am 1. April 1888 12.437 Mark. Hinzu kamen von der Gemeinde 9.700 Mark, vom Interkollarfonds 7.000 Mark, vom Bischöflichen Ordinariat 3.770 Mark. Staatsbeitrag 2.200 Mark. Erlös aus der alten Kirche 1.340 Mark. Dies ergab zusammen die Summe von 36.447 Mark. Alles übrige sammelte Pfarrer Bihlmeyer durch zahllose Briefe und Veröffentlichungen in den Zeitungen. Die Mittel flossen reichlich. Viele Spenden kamen auch von nach Amerika ausgewanderten Zimmerneun. Der größte Wohltäter sei Johann Schneider aus Brooklyn gewesen. Er stiftete zum Andenken an seine in Zimmern geborene Frau den Muttergonesaltar.

Heinrich Eggen gibt zum Bauplatz der neuen Kirche. die gegenüber der alten um einiges größer geplant wurde, vier Ar von seinem Kirchengarten und erhält von der Gemeinde dafür ein Stück vom Bühle-Gärtle, links vom alten Rathaus in der Winkelstraße.

Mit dem Bau der neuen Kirche, sie war im frühgotischen Stil vom Stuttgarter Architekten Kades geplant. wurde 1894 begonnen. Nach einem feierlichen Gottesdienst am 19. April begann der Abbruch der alten Kirche den die Zinnerner Männer unentgeltlich tätigten. Bereits um 25. April erfolgte der erste Spatenstich. Die Grund-steinlegung wurde am 4. Juni durch Dekan Wetzler vorgenommen. Anschließend war gesellige Unterhaltung «im berühmten Rosengarten». wie es der Chronist formulierte. Den Grundstein mauerten die Zimmerner Maurer Johann Effinger und Karl Müller ein. In der Schatulle ist ein Schriftstück sowie Geldmünzen der damaligen Währung und ein Goldstück verwahrt. Der Gottesdienst wurde während der Bauzeit in Gößlingen abgehalten.

Vergabe der Bauarbeiten

Die Angebote wurden am 15. April 1894 geöffnet und die Arbeiten an die billigsten, als leistungsfähig bekannten Finnen vergeben. Die Grabarbeiten wurden zunächst noch ausgeklammert. da bei denselben eine Eigenleistung der Zimmerner Bürger zu erwarten war. Für die Maurer- und Steinhauerarbeiten erhielt die Firma Huben Faulhaber, Rottweil, den Zuschlag. Die Gipsarbeiten wurden an die Firma Geiger in Schömberg vergeben. Mit der Ausführung der Zimmerarbeiten wurde das Zimmergeschäft Vosseler in Brittheim beauftragt. Für die Schreinerarbeiten erhielt Joachim Teufel. Bildechingen den Zuschlag. Für die Glaserarbeiten machte die Firma Wilhelm aus Rotteil das günstigste Angebot und die Schlosserarbeiten erhielt die Firma Schuß aus Schömberg den Zuschlag. für den Blitzableiterbau hatte die Firma Eha aus Schömberg die billigste Offerte eingebracht. Die Ausführung der Schmiedarbeiten wurde der Firma Unterkoffler und Nester in Rottweil übertragen. Flaschnermeister Lambert Hehl aus Schömberg erhielt den Zuschlag für die Flaschnerarbeiten. Für die Anstricharbeiten kam die Firma Reiner aus Deiligen in Frage. Sämtliche Firmen welche die Zuschläge erhielten, mußten Abgebote von 15 bis 28% in Kauf nehmen.

Der Bauunternehmer Hubert Faulhaber hat mit Zustimmung der Gemeinde vor dem Hause des Eugen Stutz und der Witwe des Franz Geiser (jetzt Haus des Josef Schneider), die Sandsteine zum Kirchenbau gebrochen. Er hatte für die Quadratruth an die Gemeinde 25 Mark zu bezahlen, welche diese, sogenannte Bruchlosung zum Kirchenbau zur Verfügung stellte. Die Steine durften nicht geschossen, sondern mußten geschrotet werden. Weitere Steine, die sogenannten Schliffsteine, wurden im Uchtert, beint Buchenwäldle und unter dem Vaihingerherg (bei den Kirschbäumen von Lorenz Scheible) gebrochen. Pfarrer Bihlmeyer stellte an die Gemeinde den Antrag, sie sollte das Bauholz zur Kirche zur Verfügung stellen. Gemeinderat und Bürgerausschuß beschließen, statt des Holzes 3.000 Mark beizusteuern.

Der Turmbau

Bei der Planung der Kirche wurde der Ausbau des 'Ibmws nicht miteingeplant, «mangels an den nötigen Mitteln», wie es die Verantwortlichen ausdrückten. Pfarrer Bihlmeyer aber hat auf den Ausbau des Turmes gedrängt, «weil sonst vielleicht Jahrzehnte vergingen bis er zur Fertigstellung gelangen würde», so der Seelsorger. Außerdem hätte ein späterer Ausbau unweigerlich Mehrkosten verursacht. Die Kosten für den Turmausbau waren mit 6.000 Mark veranschlagt, wozu die Gemeinde nochmals einen Beitrag leisten sollte. Pfarrer Bihlmeyer verpflichtet sich, ebensoviel zum Turmbau beizusteuern wie die ganze Gemeinde spendet. Den Rest wollte der Pfarrer durch Kollekten und weitem Spenden zusammenbringen. Der Gemeinderat erklärte sich bereit, nochmals 2.000 Mark aufzubringen. Die Summe soll durch ein Anleihen abgedeckt werden.

Aufrichtung des Holzwerks

Am 1. August 1894 wurde, nach nur dreimonatiger Bauzeit, das Holzwerk der neuen Kirche aufgerichtet. Zur «Aufrichtung» sollte an alle Handwerker und Taglöhner eine Mark ausbezahlt werden. Wie sich später herausstellte, haben die Arbeiter zugunsten der Kirche verzichtet und haben den «Schmaus» aus der eigenen Tasche bezahlt, sie hanen ja beim Kirchenbau etwas verdient.

Am 20. November 1894 wurde die vorläufige Benediktion mit bischöflicher Zustimmung des Dekanats von Landsmann Pfarrer Schwarz in Dautmergen und 16 benach-barten Geistlichen vorgenommen. Anerkannt wurden auch die Leistungen des Stuttgarter Architekten Kades, der mit bescheidenen Mitteln ein so schönes Werk gestaltet hat. Zur Ahhaltung des Gottesdienstes wurde der Fronleichnams-Altar von Johann Schwarz in der Kirche aufgestellt. Der Altar wurde von der St. MichaelisKirche vom Sonthof gekauft, die 1810 abgebrochen wurde.

Die Gemeinde bewilligt zur Innenausstattung der Kirche nochmals 3.000 Mark. Die-selben werden wieder durch eine Anleihe, in zehn Jahren verzinslich zur 4 %, gedeckt.

Die Gemeinde gibt zur Ausmalung der Kirche nochmals 1.000 Mark. Pfarrer Bihlmeyer möchte weitere 500 Mark. da das Geld nicht gereicht hat. Gemeinderat und Bürgerausschuß beschließen, nichts mehr zu geben.

Die Gemeinde stellt, auf Antrag des Pfarrers, aus den Gemeindewaldungen das nötige Reisach zum Ausschmücken der Kirche auf die Einweihung derselben, zur Verfügung. Ferner will die Gemeinde das Pulver zum Schießen und das bengalische Feuerwerk aus der Gemeindekasse bezahlen. Die Gemeinde gibt Pfarrer Bihlmeyer in Anerkennung seiner Verdienste um den Kirchenbau sechs Meter Brennholz gratis.

Die Einweihung der Kirche

Die Kirche wurde am Kirchweih-Dienstag 1896 durch Bischof Dr. Wilhelm Reiser eingeweiht. Der Bischof. der am Kirchweihmontag um vier Uhr nachmittags mit dem Zug in Oberndorf ankam, wurde von den Zimmernern mit einer Kutsche, der drei Reiter vorausritten, abgeholt. Der Bischof machte auf der Herfahrt in Altoberndorf Station und hielt auch in der Böhringer Pfarrkirche noch eine Ansprache. Bei völliger Dunkelheit traf Bischof Reiser in Zimmern ein. Er wurde mit Glockengeläute empfangen. Dorf und Kirche waren festlich geschmückt. Die Jünglinge trugen selbstgefertigte Fackeln. die Mädchen Lampions. Ein Mädchen und ein Knabe sagten ein Gedicht auf und übergaben Blumensträuße. Der Kirchenchor sang unter Lehrer Küchle innige Weisen und auch der Kirchenchor trug unter seiner Leitung zwei Lieder vor. Lehrer Küchle brachte sodann einen feurigen Toast auf den Bischof aus, in den alle Einwohner freudig miteinstimmten. Den Schluß des Abendempfangs bildete ein großes Feuer-werk. Beim Abendessen im Pfarrhaus waren als Gäste der Pfarrer aus Lauterbach und Architekt Kades aus Stuttgart anwesend.

Kirchenkonserkation am 20. Oktober 1896

Am 20. Oktober war dann der Tag der Einweihung. Vom frühen Morgen bis in den späten Abend sei viel Pulver verschossen worden. Leider habe es den ganzen Tag geregnet. Die Gemeinde durfte daher sofort in die Kirche. Der Bischof und der Klerus nahmen unter Sturm. Regen und Schneegestöber die Weihe des Gotteshauses von außen vor. Die Feier dauerte von 8-11 Uhr. Es waren 30 Geistliche zu 1 Gast. Nach mittags war um drei Uhr nochmals eine feierliche Vesper. Im Anschluß verließ der Bischof Zimmern mit Wagen und Reitergefolge um nach Dietingen zu fahren.